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Sieben führende Bahá’í im Iran wegen „Spionage für Israel“ angeklagt


10. February 2009

Österreichische Bahá’í-Gemeinde in tiefer Sorge über Schicksal ihrer Schwestergemeinde im Iran




Wien/Teheran/Genf – Sieben führende Mitglieder der im Iran verbotenen Bahá’í-Religion sollen in den nächsten Tagen vom Revolutionsgericht in Teheran unter anderem wegen „Spionage für Israel“ angeklagt werden. Damit droht eine neue und gefährliche Phase in der Verfolgung der Bahá’í im Iran, zeigt sich die Bahá’í-Gemeinde in Österreich wie die weltweite Bahá’í-Gemeinde äußerst besorgt.

 

„Die Anschuldigungen sind falsch, und die Regierung in Teheran weiß dies,“ sagte Diane Ala’i, Repräsentantin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, und forderte die unverzügliche Freilassung der sieben Bahá’í, welche die Angelegenheiten der Bahá’í im Iran koordinierten und im März bzw. Mai 2008 verhaftet und ins berüchtigte Evin-Gefängnis gebracht wurden.

 

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur ISNA gab nun der stellvertretende Teheraner Staatsanwalt Hasan Haddad die auf „Spionage für Israel“, „Beleidigung religiöser Gefühle“ und „Propaganda gegen die Islamische Republik“ lautende Anklage bekannt. Der Fall werde in Kürze vom Revolutionsgericht in Teheran behandelt.

 

„Die Anklage erweckt Erinnerungen an den Beginn der Islamischen Revolution, in deren Verlauf über 200 Bahá’í, darunter nahe Verwandte von in Österreich lebenden Bahá’í, hingerichtet wurden“, sagte Ottilie Käfer, Pressesprecherin der Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich.

 

Bei den Mitgliedern des am 14. Mai 2008 verhafteten Führungskreises handelt es sich um Frau Fariba Kamalabadi, Herrn Jamaloddin Khanjani, Herrn Afif Naeimi, Herrn Saeid Rezaie, Herrn Behrouz Tavakkoli und Herrn Vahid Tizfahm. Frau Mahvash Sabet wurde bereits am 5. März 2008 festgenommen.

 

Bahá’í fordern Akteneinsicht

 

Über acht Monate lang erging keine Anklage, auch war den Inhaftierten jeglicher Kontakt mit ihrer Anwältin, der Menschenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, verwehrt. Seitdem Shirin Ebadi den Fall übernommen hatte, war sie Zielscheibe von Einschüchterungsversuchen bis hin zu Morddrohungen gegen sie und ihre Tochter. Nach nunmehr erfolgter Anklage fordern die Bahá'í Akteneinsicht und den Zugang zu den Inhaftierten für Shirin Ebadi.

 

 

Die sieben führenden Bahá’í waren – stets mit Kenntnis der iranischen Regierung - seit Jahren mit der Aufgabe befasst, eine Art "Notverwaltung" der über 300.000 iranischen Bahá'í zu ermöglichen, da 1983 die Bahá’í-Verwaltungsgremien im Iran verboten wurden.

 

„Absurder Vorwurf“

 

Der von den Bahá’í als „absurd“ schärfstens zurückgewiesene Vorwurf der Spionage für Israel wird von der iranischen Regierung oft verwendet, um gegen diese größte religiöse Minderheit im Iran vorgehen zu können. Das Zentrum der Bahá’í-Weltgemeinde befindet sich in Israel, was allerdings historische Gründe hat, wie von Bahá’í-Seite erklärt wird. Bahá’u’lláh, der Stifter der Bahá’í-Religion, wurde im 19.Jahrhundert von den islamischen Machthabern in das Heilige Land verbannt, wo er 1892 starb. Sein Grabmal bei Akka und das Mausoleum des Bab, des Vorläufers Bahá’u’lláhs, in Haifa gelten als die heiligsten Bahá’í-Stätten.

 

Die Verfolgung der Bahá’í im Iran ist rein religiös motiviert. Die iranischen Bahá’í werden von der Regierung und der schiitischen Geistlichkeit unterschiedslos als „Abtrünnige“, als vom Islam Abgefallene, bezeichnet.

 

„Wenn die Bahá’í tatsächlich Spione wären, warum verbergen sie nicht ihre Identität? Warum wurden Hunderte Bahá’í hingerichtet, weil sie es ablehnten, ihrem Glauben abzuschwören und den Islam anzunehmen?“ betonte Diane Ala’i. All dies beweise die Entschlossenheit der iranischen Regierung, die Bahá’í-Gemeinde im Iran, die größte religiöse Minderheit des Landes, zu vernichten.

 

 

Für den Inhalt verantwortlich:

Büro für externe Angelegenheiten der

Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich

 

Rückfragen: Ottilie Käfer, Handy 0664 3202927, E-Mail office.ea@at.bahai.org








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