Verfolgung über den Tod hinaus31. January 2009 Wien/Teheran/Genf – Die Internationale Bahá’í-Gemeinde beklagt die Zerstörung eines iranischen Friedhofes mit Massengräbern von Hunderten von Opfern der Islamischen Revolution. Mindestens 15 Bahá’í sind auf diesem Friedhof begraben. Es handelt sich um den Friedhof Khavaran südlich von Teheran. Mitte Jänner 2009 hatten Regierungsangehörige ein Areal des Friedhofes, das als „Grabstätte der Ungläubigen“ bekannt ist und wo viele Personen, die in den ersten Jahren der islamischen Revolution hingerichtet wurden, beigesetzt sind, mit Bulldozern zerstört. Sie hatten dem Friedhof-Wachpersonal erklärt, dass das Gebiet eingeebnet werde, um einen Park anzulegen.
"Die Zerstörung des Khavaran Friedhofes durch Regierungsbeamte widerspricht allen Vorstellungen von Respekt gegenüber den Toten in allen Kulturen, auch im Islam”, sagte Diane Ala'i, Repräsentantin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf. "Wir schließen uns den Menschenrechtsgruppen innerhalb und außerhalb des Iran an, die diese schändliche Tat verurteilen - ein weiteres Zeichen der Intoleranz des derzeitigen iranischen Regimes", betonte sie.
Am 20. Jänner 2009 forderte Amnesty International die iranischen Behörden auf, “die Zerstörung hunderter Einzelgräber und Massengräber in Khavaran, südlich von Teheran, sofort einzustellen, und zu gewährleisten, dass der Friedhof erhalten bleibt, sowie eine forensische Untersuchung einzuleiten als Teil einer längst überfälligen, unabhängigen und neutralen Untersuchung der Massenhinrichtungen, die 1988 begannen."
Menschenrechtsaktivisten kritisieren „abscheuliche Tat“
Auch iranische Menschenrechtsverteidiger wie Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi verurteilten die Zerstörung des Friedhofes. "Wie wir vor kurzem erfahren haben, wurde der Khavaran Friedhof, auf dem die Opfer illegaler Massaker an politischen Gefangenen der 1980er Jahre und insbesondere des Jahres 1988 beigesetzt worden waren, von Beamten zerstört," heißt es in einer Erklärung des iranischen „Zentrums der Verteidiger der Menschenrechte“, die laut der französischen Nachrichtenagentur AFP am 25.Jänner veröffentlicht wurde. "Das Zentrum der Verteidiger der Menschenrechte verurteilt diese abscheuliche und entsetzliche Tat und fordert jeden, auch die Behörden auf, die Würde der Toten zu respektieren."
Auch Bahá’í Opfer der Hinrichtungen
Mindestens 15 Bahá'í waren in diesem Teil des Friedhofes begraben. Sie alle wurden in den frühen 1980er Jahren Opfer einer Regierungskampagne, welche die systematische und auch heute noch anhaltende Verfolgung und Unterdrückung iranischer Bahá’í zum Ziel hat. Insgesamt wurden über 200 Bahá’í seit Gründung der Islamischen Republik Iran wegen ihrer Religion exekutiert, und die Bahá’í, mit rund 300.000 Gläubigen die größte religiöse Minderheit im Iran, sind weiterhin grundlegender Menschenrechte beraubt.
Acht Mitglieder der nationalen Körperschaft der iranischen Bahá’í-Gemeinde, die am 27.Dezember 1981 hingerichtet wurden, sind dort begraben, sowie sechs Mitglieder des Geistigen Rates von Teheran, die am 4.Jänner 1982 hingerichtet wurden. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind noch weitere Bahá'í dort beigesetzt.
Laut einer Bahá’í-Gläubigen, deren Mann auf dem Friedhof begraben liegt, sind die meisten Gräber in diesem Areal des Friedhofes ohne Inschrift. Lediglich die Reihen sind durch Nummern gekennzeichnet.
"Sie nennen es den Bereich der ‚Ungläubigen’, sagte die Witwe, die derzeit außerhalb des Iran lebt. "Uns wurde nur die Nummer der Reihe gesagt und dadurch weiß ich, wo mein Mann liegt. Aber die Gräber sind nicht markiert, und es wurde uns nicht erlaubt zu erfahren, welches Grab welches ist."
Für den Inhalt verantwortlich: Büro für externe Angelegenheiten der Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich
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