Kämpfer für ein kreatives und globales humanes Zusammenleben23. March 2008
Buch zum Gedenken an Frederick Mayer – Freunde würdigen international anerkannten Bildungsexperten
Wien – Er hat gezeigt, wie man Feindbilder abbaut. Er hat Beispiele angeführt, wie wir unser Verhalten ändern können, um mit dem Fremden, dem Angehörigen einer Minderheit vorurteilsfrei leben zu können. Die Rede ist von Frederick Mayer, dem international anerkannten Bildungsexperten, der am 26.Juni 2006 in Wien 84jährig verstoben ist und zu dessen Gedenken der Böhlau Verlag kürzlich ein Buch veröffentlichte.
„Eine lange Wegstrecke durfte ich Frederick Mayer begleiten. Aus Dank und in Verbundenheit gebe ich ihm zum Gedenken dieses Buch heraus“, sagte Alice Strigl anlässlich der Präsentation des Buches „Frederick Mayer – zum Gedenken; Schöpferische Expansion“ in Wien. Es enthält im ersten Teil Erinnerungen von Freunden des Kreativitätsforschers, der mit seinen über 20 Büchern die moderne internationale Pädagogik wesentlich beeinflusst hat.
Beiträge stammen u.a. vom Sozialpsychologen Prof.Dr.Rudolf O. Zucha, der Psychotherapeutin Univ.-Prof.Dr.Rotraud Perner, dem Unternehmer Klaus Woltron, dem Wirtschaftspsychologen Dr.Othmar Hill, dem Journalisten Peter Huemer, dem Regisseur und Filmproduzenten Dr.Jörg A. Eggers, Club of Rome-Mitglied Prof.Johann Georg Herberstein, Theodor-Körner-Preisträger Dr.Klaus Sypal, der Psychotherapeutin Dr.Angela Ringel-Ferdinandy und Dr.Walter Franek, dem Präsidenten der Frederick Mayer International Society, die das geistige Erbe des angesehenen Kreativitätsforschers weiter tragen wolle, wie Dr.Franek bei der Buchpräsentation sagte.
„Quelle der Inspiration“
Vizepräsidentin der Gesellschaft ist die Psychologin und Leiterin des Rudolf-Dreikurs-Instituts Austria in Weiz, Steiermark, Dr.Soheyla Warnung. Sie bezeichnete in ihrer Rede die Bücher und Gedanken Frederick Mayers als "eine wertvolle Quelle der Inspiration für neue pädagogische Wege in der Zukunft."
Der zweite Teil des Buches, das von Verleger Peter Rauch vorgestellt wurde, führt in die Gedanken- und Schaffenswelt von Frederick Mayer. Aus seinen Büchern werden ausgewählte Textstellen zitiert, wie etwa diese, die sein Engagement für den Weltfrieden unterstreicht: "Die wichtigste Aufgabe der Erziehung ist, die Friedenskräfte zu stärken. Statt Kriegshelden sollen Friedenshelden im Zentrum jeder Bildung stehen."
Er war ein Kämpfer für ein kreatives und globales humanes Zusammenleben ohne Vorurteile, heißt es aus dem Freundeskreis, zu dem Angehörige verschiedener Weltanschauungen und Religionen gehörten. Sie alle waren beeindruckt von seinem Engagement und seinem Wirken für eine grundlegend neue Erziehung und Bildung, die den Menschen zu seinen eigentlichen Potenzialen befreien soll. Er zögerte nicht, eine Richtung einzuschlagen, von der er überzeugt war, dass sie dem neuen Menschenbild und den Nöten unserer Zeit entspricht.
Bekenntnis zum Bahá’í-Glauben
Eine dieser mutigen und ermutigenden Entscheidungen war sein Bekenntnis zum Bahá’í-Glauben, den er in Wien angenommen hatte. Bahá’u’lláhs Weltbild – „Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger“ – und Bahá’u’lláhs Menschenbild – „Betrachte den Menschen als Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert“ – waren für Frederick Mayer „pure Selbstverständlichkeit und klare Wegbereitung“, wie Peter Spiegel, Autor und Mitinitiator der Global Marschall Plan Initiative, in seinem Beitrag für das Gedenk-Buch schreibt.
Zukunftsorientiert habe Frederick Mayer in der Bahá’í-Religion „die große Chance für eine erweiterte Möglichkeit der charakterlichen Entwicklung des Einzelnen, sowie für die Entfaltung der Gesellschaft auf der Basis der Gleichwertigkeit gesehen“, schreibt ferner Professor Bijan Khadem-Missagh, Solist und Komponist sowie Gründer und Künstlerischer Leiter des Festivals Allegro Vivo, der die Buchpräsentation in Wien mit seiner musikalischen Darbietung bereicherte.
Frederick Mayer wurde 1921 in Frankfurt am Main geboren und musste 1936 ohne seine Familie Deutschland verlassen. Er emigrierte in die USA, wo er einen Teil seiner Jugend in einem Waisenhaus verbrachte, bevor er sein Studium an einer Universität in Südkalifornien begann. Er wurde als Professor an die Universität von Redlands (US-Bundesstaat Kalifornien) berufen, wo er bis 1966 lehrte. Seine Bücher wurden in vielen Sprachen übersetzt. Sein Werk "A History of Educational Thought" gilt als Standardwerk der modernen Pädagogik.
Nach seiner Rückkehr nach Europa siedelte er sich in Wien an, wo er 1988 als Ehrenpräsident der internationalen UNIDO-IACT-Konferenz fungierte und das Programm für die Zukunft der industriellen Administration schrieb. Er wurde von der Stadt Wien mit dem Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet. Er war Mitglied der österreichischen Sektion des Club of Rome und Fellow of Royal Society of Arts in London. Seine Bücher sind auch in Asien verbreitet. In Japan wurde er Ehrenmitglied der berühmten Nomura Foundation.
Alex Käfer
Service: Alice Strigl (Hg.): Frederick Mayer - zum Gedenken; Schöpferische Expansion. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2008. 436 Seiten mit 14 Farb- und s/w-Abb. Mit einer DVD als Beilage; ISBN 3-205-77676-3, Euro 29,90. |
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