Baha'i Oesterreich

Anhaltende Diskriminierung von Bahá’í-Studenten im Iran


03. September 2007

Geheimdokument beweist: Studierverbot behördlich angeordnet

Österreichische Bahá’í-Gemeinde alarmiert




Wien/Teheran/New York - Die iranische Regierung hält weiterhin an ihrer Strategie fest, den Bahá’í das Universitätsstudium zu verweigern. Das beweist ein nunmehr bekannt gewordenes Geheimdokument des iranischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Technologie, das iranische Universitäten anweist, jeden Studenten, der als Bahá’í identifiziert wird, vom Studium auszuschließen, teilt die Pressesprecherin der österreichischen Bahá’í-Gemeinde, Ottilie Käfer, mit.

 

Die Kopie dieses Dokumentes hat nun die Internationale Bahá’í-Gemeinde, die bei den Vereinten Nationen als nichtstaatliche Organisation akkreditiert ist, erhalten. Es handelt sich um ein vertrauliches Schreiben des zentralen Sicherheitsbüros des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Technologie aus dem vergangenen Jahr und wurde jetzt von der Hauptrepräsentantin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei der UNO in New York, Bani Dugal, veröffentlicht. “Sobald die Identität von Bahá’í während ihrer Inskription oder während ihres Studiums festgestellt wird, müssen sie von der Universität verwiesen werden“, heißt es in dem Brief, der vom Generaldirektor des zentralen Sicherheitsbüros, Asghar Zarei, unterzeichnet wurde. Das Ministerium überwacht alle staatlichen Universitäten im Iran.

 

Alle Hoffnungen der Bahá’í-Jugend auf Studium zerstört

 

„Das Geheimdokument hat brutal noch Reste von Hoffnungen unter der Bahá’í-Jugend im Iran zerstört, dass sich für sie nach Jahrzehnten des Verbots auf höhere Bildung die Tore der Universitäten in ihrer Heimat endlich öffnen könnten“, betonte Ottilie Käfer. Die österreichische Bahá’í-Gemeinde sei über die anhaltende Diskriminierung der Bahá’í alarmiert und habe sich um Hilfe auch an das Außenministerium in Wien gewandt.

 

Der Brief des zentralen Sicherheitsbüros von 2006 bezieht sich eindeutig auf ein geheimes Memorandum des Obersten Revolutions-Kulturrates von 1991, das rigorose Maßnahmen zur Strangulierung der Lebensfähigkeit der Bahá’í-Gemeinde im Iran vorsieht. Die Sprecherin verweist auch auf andere, nun bekannt gewordene Dokumente, die beweisen, dass das Studierverbot für Bahá’í behördlich angeordnet ist.

 

So gibt es einen Brief des zentralen Sicherheitsbüros an die Payam-i-Nur Universität vom 17.März 2007, in welchem angeordnet wird „die Inskription von Bahá’í-Bewerbern zu verhindern.“ Ein weiterer Brief an den Direktor für akademische Angelegenheiten der Guilan Universität vom 18.Mai 2007 fordert die sofortige Exmatrikulation einer Bahá’í-Studentin. Auch diese Maßnahme wird mit dem Memorandum von 1991 begründet.

 

Diskriminierende Schikanen

 

Wie ferner bekannt wurde, haben im Juni 2007 über eintausend Bahá’í an der Aufnahmeprüfung für ein Universitätsstudium teilgenommen. Doch es wurden nur 237 informiert, dass ihr Prüfungsergebnis positiv ausgefallen war und sie daher die Universität für ihr Hauptfach auswählen können. Über siebenhundert Bahá’í-Studenten wurde mitgeteilt, dass ihre Prüfungen nicht benotet werden, weil sie ihre Formulare angeblich nicht vollständig ausgefüllt hätten. Allerdings war ihnen das nicht zuvor mitgeteilt worden, und so nahmen sie an den Prüfungen teil.

 

130 Bahá’í-Studenten – rund die Hälfte jener, die im vergangenen Jahr zum Studium zugelassen worden waren – wurden noch vor Beendigung ihres ersten Studienjahres vom Studium ausgeschlossen. Beobachter können daher mit Recht darauf schließen, dass die Behörden niemals die Absicht hatten, Bahá’í studieren zu lassen. „Die Inskribierung jener Bahá’í-Studenten, die während des laufenden Studienjahres zugelassen wurden, war nicht mehr als eine politische Taktik, um internationalen Protesten zu begegnen,“ so Ottilie Käfer.

 

Verfolgungen haben System

 

Die Bahá’í stellen mir rund 300.000 Gläubigen die größte religiöse Minderheit im Iran, die aber offiziell nicht anerkannt ist und seit 1979 systematischen Verfolgungen ausgesetzt ist. Über 200 Bahá'í wurden seither hingerichtet. Bahá'í-Heiligtümer und -Friedhöfe zerstört und geschändet und Bahá'í mit Berufsverbot belegt. In letzter Zeit wurden auch Bahá’í-Schüler und –Schülerinnen wegen ihres Glaubens von Lehrern vor der Klasse erniedrigt und gedemütigt.

 

Laut Pressemitteilung der Vereinten Nationen vom 20.März 2006 ist der UNO-Sonderberichterstatterin für Religionsfreiheit, Asma Jahangir, ein Geheimplan bekannt geworden, der auf eine Anordnung des höchsten religiösen Führers, Ayatollah Khamenei, zurückgeht. Hiernach richtete der oberste Befehlshaber der Streitkräfte des Iran in einem vertraulichen Schreiben vom 29.Okober 2005 an die Revolutionsgarde und die Polizei die Weisung, dass jegliche Information über die Mitglieder des Bahá'í-Glaubens zu sammeln sei. Ihrem Bericht zufolge ist Frau Jahangir zutieftst besorgt, dass die Informationen, die aus einer solchen Überwachung - in Verletzung internationaler Standards - gewonnen werden „als Grundlage für zunehmende Verfolgung und Diskriminierung der Anhänger der Bahá'í Religion benutzt werden."

 

Dokumente:

Brief des Ministeriums, Übersetzung (PDF)

Brief des Ministeriums, Original (PDF)

 

Für den Inhalt verantwortlich:

Büro für auswärtige Angelegenheiten der

Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich

 

Rückfragen: Ottilie Käfer, Handy 0664 3202927, E-Mail otti.kaefer@tele2.at








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