Baha'i Oesterreich

Bahá’í im Iran vom Studium ausgeschlossen


10. March 2007




Wien – Im Iran wird Bahá’í weiterhin das Universitätsstudium verwehrt. Nachdem auf internationalen Druck im vergangenen Jahr die Regierung das seit über 25 Jahren bestehende Studierverbot für Bahá’í etwas gelockert und 178 Angehörige dieser religiösen Minderheit zum Studium im Wintersemester zugelassen hatte, wurden unterdessen bereits 70 Bahá’í wegen ihrer Religionszugehörigkeit vom Studium ausgeschlossen.

 

„Der Iran setzt somit seine diskriminierende Politik gegen die Bahá’í fort“, äußerte sich die Sprecherin der österreichische Bahá’í-Gemeinde, Ottilie Käfer, besorgt. Mit weiteren Exmatrikulationen von iranischen Universitätsstudenten, die der Bahá’í-Religion angehören, müsse gerechnet werden.

 

Weitere 191 Bahá’í, welche die Zulassungsprüfung im vergangenen Sommer bestanden hatten, durften erst gar nicht inskribieren, teilte ferner Diane Alá’í, Vertreterin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, mit. Sie verwies auf ein Geheimpapier der iranischen Regierung, das 1993 von der UNO publik gemacht wurde und Maßnahmen zur wirtschaftlichen, sozialen und bildungsmäßigen Strangulierung der iranischen Bahá’í-Gemeinde vorsieht. Unter anderem wird darin gefordert, dass die Bahá’í „vom Universitätsstudium ausgeschlossen werden müssen, entweder beim Aufnahmeverfahren oder im Verlaufe des Studiums, sobald bekannt wird, dass sie Bahá’í sind“, zitierte sie aus dem Geheimpapier.

 

„Internationale Gesetze betonen den Zugang zu Bildung als ein grundsätzliches Menschenrecht. Für iranische Universitäten gibt es keine Entschuldigung, Personen, welche die Aufnahmeprüfung erfolgreich bestanden haben, das Studium zu verwehren, nur weil sie Bahá’í sind“, fügte Diane Alá’í hinzu und appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, die bedrohliche Lage der Bahá’í im Iran genau zu beobachten..

 

Studenten mussten bisher auf den Formularen für die Zulassungsprüfung ihre Religionszugehörigkeit angeben. Formulare mit der Angabe „Bahá’í“ wurden zurückgewiesen, da der Bahá’í-Glaube – im Gegensatz zum Islam, Christentum und Judentum – nicht anerkannt ist.

 

Als Folge von Resolutionen der UNO und der Europäischen Union sowie weltweiter Proteste von Universitätsprofessoren und prominenten Wissenschaftern auch aus Österreich wurde erstmals für das laufende Studienjahr eine geringe Anzahl von Bahá’í – von mehreren hundert Bahá’í, welche die Aufnahmeprüfung bestanden hatten - zur Inskription zugelassen, teilte die Sprecherin der österreichischen Bahá’í-Gemeinde mit.

 

Instruktionen beweisen religiöse Diskriminierung

 

In einem Brief vom 2.November 2006, den das Zentrale Sicherheitsbüro der Payám-í-Núr Universität an ihre regionalen Zentren sandte, wird kategorisch gefordert, dass „...im Einklang mit der Verfügung des Kultur-Revolution-Rates sowie der Instruktion des Informationsministeriums und des Hauptschutzbüros der Zentralen Organisation der Payám-í-Núr Universität Bahá’í nicht an Universitäten und Zentren für Höhere Bildung inskribieren können. Sollte man auf solche Fälle stoßen, sollen diese daher gemeldet und ihre Inskription strikt vermieden werden; und wenn sie bereits inskribiert sind, sollen sie exmatrikuliert werden.“

 

„Die Instruktionen der Universität und ihre Begründung können gar nicht klarer formuliert werden, und beweisen, dass den Bahá’í ausschließlich wegen ihrer Religion das Studium verwehrt wird“, betonte Ottilie Käfer.

 

Bei der Payám-í-Núr Universität handelt es sich um eine staatliche Universität für Fernstudium mit Hauptsitz in Teheran, zehn Regionalen Zentren, 130 Studienzentren und 126 Studieneinheiten im ganzen Land sowie einem Übersee-Zentrum. Bisher wurden mindestens dreißig Bahá’í-Studenten von der Payám-í-Núr Universität seit September 2006 exmatrikuliert.

 

Die Bahá’í im Iran zählen mit rund 300.000 Gläubigen zur größten religiösen Minderheit im Iran. Seit der Islamischen Revolution 1979 sind sie systematischer religiöser Verfolgung ausgesetzt. Mehr als 200 Bahá’í wurden getötet, Hunderte ins Gefängnis gesteckt und gefoltert, Tausende verloren ihren Arbeitsplatz oder ihre Pension, und heilige Bahá’í-Stätten und Friedhöfe wurden zerstört.


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