Baha'i Oesterreich

Eine Zeit der geistigen Erneuerung


17. March 2008




Am 2. März beginnt für die Bahá'í auf der ganzen Welt die jährliche Fastenzeit. Bis zum 20. März enthalten sie sich zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jeglicher Nahrung. Das körperliche Fasten ist dabei nur ein Symbol für die Loslösung von materiellen Dingen und die Befreiung von Abhängigkeiten. Es soll das Bewusstsein für die geistig-spirituelle Ausrichtung des Lebens schärfen und dient nicht zuletzt der Vorbereitung auf das neue Jahr, welches zeitgleich mit dem Frühling beginnt.

 

Nachfolgend ein Auszug aus dem Buch „Bahá’u’lláh und das Neue Zeitalter“ von J. E. Esslemont über die Bedeutung des Fastens in der Bahá'í-Religion.

 

„Der neunzehnte Monat, der unmittelbar auf die Gastlichkeit der eingeschobenen Tage folgt, ist der Monat des Fastens. Neunzehn Tage lang wird durch Enthaltung von Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gefastet. Da der Monat des Fastens mit der Tag- und Nachtgleiche des März endet, so fällt das Fasten immer in den gleichen Jahreszeitraum, das heißt, in den Frühling im Norden, in den Herbst im Süden, niemals aber in die höchste Glut des Sommers oder in die strengste Kälte des Winters, wo gleicherweise sich daraus Schwierigkeiten ergeben würden. Überdies ist in diesem Teil des Jahres die Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang annähernd die gleiche auf dem ganzen bewohnten Teil der Erde, nämlich von etwa sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends. Das Fasten ist nicht bindend für Kinder und Kranke, für Reisende, oder für jene, die zu alt und zu schwach sind, sowie für Frauen, die ein Kind erwarten oder selbst stillen.

 

Es ist leicht zu beweisen, daß ein periodisches Fasten, wie es die Bahá'í-Lehre vorschreibt, eine wohltätige Maßnahme zur Erhaltung körperlicher Gesundheit ist. Aber ebenso wie die wahre Bedeutung des Bahá'í-Festes nicht im Genuß natürlicher Speise liegt, sondern in dem Gedenken Gottes, das unsere geistige Speise ist, so besteht die wahre Bedeutung des Bahá'í-Fastens nicht in der Enthaltung von natürlicher Speise, obgleich dies zur Reinigung des Körpers beiträgt, sondern in der Enthaltsamkeit von körperlichen Begierden und in der Trennung von allem außer Gott. 'Abdu'l-Bahá sagt:

 

'Das Fasten ist ein Sinnbild. Fasten bezeichnet die Enthaltsamkeit von Gelüsten. Körperliches Fasten ist ein Sinnbild dieser Enthaltung und eine Mahnung an sie. Das heißt, wie sich jemand körperlich von Gaumenreizen enthält, soll er sich von Selbstsucht und selbstischen Begierden enthalten. Bloße Enthaltung von Speise aber hat keinen Einfluß auf den Geist. Sie ist nur ein Sinnbild, eine Mahnung. Sonst hat sie keine Bedeutung. Das Fasten aus diesem Grund also bedeutet nicht völlige Enthaltung von Speise. Die goldene Regel für das Essen ist: nicht zu viel und nicht zu wenig. Mäßigkeit ist nötig. In Indien gibt es eine Sekte, die äußerste Enthaltsamkeit beachtet und ihre Speise stufenweise verringert, bis sie von beinahe nichts lebt. Aber ihr Verstand leidet darunter. Ein Mensch ist nicht fähig, Gott mit Gehirn und Körper zu dienen, wenn er durch Nahrungsmangel geschwächt ist. Er kann nicht klar sehen.’“








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