Religionen als Partner im Klimaschutz08. February 2007 Wien – Die Verantwortung für die Schöpfung ist ein den Weltreligionen gemeinsames Anliegen. Deshalb meldeten sich Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften als Partner im Einsatz für den Klimaschutz bei einer interreligiösen Veranstaltung am 1.Februar 2007 in Wien zu Wort. Das Treffen wurde von der Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung organisiert, einer ökosozialen Bewegung der Österreichischen Katholischen Kirche und unabhängigen Organisation, die in enger Kooperation mit den christlichen Kirchen und Vertretern von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen weltweit agiert.
Als Vertreter der katholischen Kirche betonte der Wiener Weihbischof Franz Scharl, die Bewahrung der Schöpfung müsse Anliegen aller Gläubigen sein. Dabei sollten die Christen sich in ihrer ökologischen Verantwortung nicht als „Besserwisser“ geben, sondern im Hören auf andere Weltanschauungen und auf die Wissenschaft für einen anderen, nachhaltigen Lebensstil eintreten und diesen selbst pflegen. Ökologisch sei „Feuer am Dach“, wie er betonte.
Es gelte so zu leben, dass den nachfolgenden Generationen keine Lebenschancen genommen werden, schloss sich der evangelische Pfarrer und Umweltbeauftragte Michael Meyer der Sichtweise seines Vorredners an.. Die Wahrnehmung der Natur als schützenswerte Schöpfung Gottes betone auch die Bibel, verwies er auf Noah, der mit Hilfe einer Arche möglichst viele Geschöpfe vor der Sintflut zu retten versuchte und damit den Schöpfungswillen Gottes befolgt habe.
Die von Gott in seiner Schöpfung gestiftete Lebensordnung ist durch den Menschen aus dem Gleichgewicht geraten, gab die Ökologiebeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft Gülmihri Aytac zu bedenken. Nun gelte es mit Hilfe der allen Religionen zugrunde liegenden Ethik das Bewusstsein und Verhalten im Sinne von mehr Genügsamkeit zu ändern. Die gesamte Menschheit stehe vor enormen Umweltproblemen, die nur durch gemeinsame Strategien aller Religionen bewältigt werden könnten.
Als Bahá’í konnten auch wir uns zu Wort melden: Umweltkrisen wie andere Krisen sind Symptome für die fehlende Einheit der Menschheit und können nur durch weltweit koordiniertes Handeln gelöst werden. Die Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung gebietet dem Menschen, die Natur zu schützen. Der Mensch soll „auf die Geschöpfe Gottes mit dem Auge der Güte und Barmherzigkeit schauen“. Religion hat die Aufgabe, globales Bewusstsein zu schärfen, vor allem in dem Sinne, dass wir auf unseren Nächsten achten, und jeder auf der Welt ist der Nächste.
Besondere Verantwortung der Religionen
Univ-Prof.Dr.Anton Moser, Vorstand des Biotechnologie-Instituts der Technischen Universität Graz, wies auf die Klimaveränderung „als wissenschaftlich bewiesene Tatsache“ hin. Schuld daran trage der Mensch. Die säkularisierte Gesellschaft habe bloß technokratische Lösungsvorschläge parat, was nicht ausreiche. Notwendig sei die Bewusstseinserweiterung der Menschen aller Religionen und Kulturen in Richtung einer stärkeren Verbundenheit mit der Natur. „Die Religionen tragen besondere Verantwortung, da sie dieses Bewusstsein im Menschen anfachen und erweitern können“, betonte der prominente Biotechnologieprofessor.
Fritz Binder-Krieglstein, Energie-Experte und Geschäftsführer einer Consulting-Firma, wies darauf hin, dass das Problem der Erderwärmung besonders auch Österreich treffe. Die Temperatur in Österreich sei in den letzten 150 Jahren um 1,8 Grad Celsius gestiegen, dies liege deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 0,8 Grad Steigerung. Lösungen lägen in einer Doppelstrategie von Energieeinsparungen und Umstieg auf erneuerbare Energien.
Die Veranstaltung schloss mit einem gemeinsamen Appell an die Politik, „die für die notwendige Energiewende unabdingbaren gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Wie aktuell das Thema ist zeigt die jüngste UNO-Studie zum Klimawandel, die ein Horrorszenario zeichnet: Ganze Landschaften würden unter Wasser verschwinden und Dürrekatastrophen drohen – Schuld sei der Mensch selbst.
Diese wichtige Veranstaltung, zu der wir als Bahá’í Denkanstöße geben konnten, hat uns auch persönlich tief betroffen gemacht und uns einmal mehr Bahá’u’lláhs wichtige Mahnung zur Mäßigung in unserer Lebensweise bewusst gemacht: „Wer sich an die Gerechtigkeit hält, kann auf keinen Fall die Grenzen der Mäßigung überschreiten.“ (Ährenlese, 163:2)
Alex und Otti Käfer |
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