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International anerkannter Kreativitätsforscher Frederick Mayer in Wien gestorben


02. July 2006


Prof.Dr.Frederick Mayer, 1921-2006.
Prof.Dr.Frederick Mayer, 1921-2006.


Seine Bücher beeinflussten moderne Pädagogik – Schulen sollten Weltbürger-Ethos unterrichten

 

Wien - Der Bildungsexperte Professor Dr.Fredrick Mayer ist im Alter von 84 Jahren am 26.Juni 2006 in Wien gestorben. Er war Autor von über 20 Büchern, die in mehreren Sprachen übersetzt wurden und die moderne Pädagogik wesentlich beeinflussten. In den USA war der international anerkannte Kreativitätsforscher Universitätsprofessor und Sonderberater für das „Center for the Study of Democratic Institutions“ in Santa Barbara, Kalifornien.

 

Dem Schulwesen kommt nach seiner Ansicht eine besondere Aufgabe bei der Vermittlung von Toleranz und Weltoffenheit zu. „Der Schulunterricht betont meistens zu sehr Fakten, ist viel zu langweilig, die Benotung steht im Vordergrund“, wie der Wissenschafter einmal in einem Gespräch mit dem Verfasser dieser Zeilen sagte. Was fehle, sei Begeisterung für neue Ideen und ein Gefühl für die Nöte der Anderen, des Nächsten. Ein besonderes Merkmal kreativer Erziehung sei eine „internationale Weite des Geistes“.

 

Provinzielle Erziehung habe in der Vergangenheit zu Hass gegenüber anderen Kulturen, Völkern und Religionen geführt. Durch die Einführung eines Weltbürger-Ethos in den Schulunterricht solle ein Bewusstsein von der Einheit der Menschheit in ihrer kreativen Vielfalt gefördert werden. Wirkliche Helden seien die „Friedenshelden“. Persönlichkeiten wie Napoleon, der gemeint habe, wenn eine Million Menschen auf seinen Feldzügen sterben würden, bedeute dies nichts, „sollten wir aus unserer geistigen Ahnengalerie streichen.“

 

Inspiriert von Bahá’í-Lehren

 

„Ein Ausspruch Bahá’u’lláhs hat mich besonders berührt und meine Ideen zum großen Teil bestimmt“, betonte Professor Mayer weiter bei einem im Mai 2004 mit dem Verfasser in Wien geführten Gespräch und zitierte folgende Worte des Stifters der Bahá’í-Religion. „Es rühme sich nicht der, welcher sein Vaterland liebt, sondern der, welche die ganze Welt liebt.“ Diese Idee sei die Grundlage für eine neue Welt, die nicht mehr von Vorurteilen bestimmt werde, sondern das Wohl des Teiles im Wohl des Ganzen sehe und sich durch Offenheit und Weite auszeichne, so Professor Mayer, der 1996 in Wien den Bahá’í-Glauben annahm.

 

Professor Mayer widmete sich in seinen Büchern auch der Situation älterer Menschen und warnt eindringlich vor dem übertriebenen Jugendkult. Er verwies auf seine Erfahrungen mit Seminaren, die er für japanische Manager leitete. Wenn man in Japan einen Status und Ansehen haben wolle, gebe man sein Alter um zehn Jahre höher an. Im Westen sei es umgekehrt. Viele der großen japanischen Unternehmen würden von Managern im Alter von über 70 Jahren erfolgreich geleitet. Die jüngeren Mitarbeiter könnten dadurch lernen, „dass das Leben progressiv ist und im Alter seinen Höhepunkt haben kann.“

 

Von Güte als unerlässliche Tugend für ein kreatives Leben war der herausragende Denker unserer Zeit besonders überzeugt. „Ohne tiefgreifende Sensibilität wird die Menschheit keine Umwandlung erleben. Kein wissenschaftlicher Erfolg – auch wenn er noch so spektakulär ist – kann ein Ersatz für die Herzenswärme sein, die wie ein Lebenselexier wirkt“, wie er in einem seiner letzten Bücher, das unter dem Titel „Güte als Lebensweise“ im Wiener Böhlau Verlag erschien, schreibt. Der selbe Verlag brachte vor Kurzem auch sein Werk „Der lange Weg zum Miteinander“ heraus, einen Appell zur gelebten Menschlichkeit.

  

Aus Deutschland emigriert

 

Frederick Mayer wurde 1921 in Frankfurt am Main geboren und musste wegen seiner jüdischen Abstammung 1936 ohne seine Familie Deutschland verlassen. Er emigrierte in die USA, wo er einen Teil seiner Jugend in einem Waisenhaus verbrachte, bevor er sein Studium an einer Universität in Südkalifornien begann. Er wurde als Professor an die Universität von Redlands (US-Bundesstaat Kalifornien) berufen, wo er bis 1966 lehrte. Sein Werk „History of Educational Thoughts“ gilt als Standardwerk der modernen Pädagogik und wird von zahlreichen Universitäten als Lehrbuch genutzt.

 

Nach seiner Rückkehr nach Europa siedelte er sich in Wien an, wo er 1988 als Ehrenpräsident der internationalen UNIDO-IACT-Konferenz fungierte und das Programm für die Zukunft der industriellen Administration schrieb. Er wurde von der Stadt Wien mit dem Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet. Er war Mitglied der österreichischen Sektion des Club of Rome und Fellow of Royal Society of Arts in London. Seine Bücher sind auch in Asien verbreitet. In Japan wurde er Ehrenmitglied der berühmten Nomura Foundation.

 

Alex Käfer








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