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Terror gegen Bahá’í im Iran


24. May 2006

54 Bahá'í in Schiras inhaftiert - Regierung verschärft Verfolgung religiöser Minderheit

New York/Wien – Die iranische Regierung hat eine der massivsten Verhaftungswellen gegen die Bahá’í durchgeführt: In Schiras wurden 54 Angehörige dieser größten religiösen Minderheit des Landes inhaftiert. Bei den meisten handelt es sich um Jugendliche, die in humanitärer Tätigkeit engagiert waren.


Drei der Bahá’í-Jugendlichen, die am 19. Mai in Schiras gefangen genommen wurden.
Drei der Bahá’í-Jugendlichen, die am 19. Mai in Schiras gefangen genommen wurden.


 

Wie die Hauptrepräsentantin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in New York mitteilte, erfolgten die Verhaftungen am 19. Mai, als Bahá'í gemeinsam mit anderen Freiwilligen, welche nicht Bahá'í waren, Unterricht im Rahmen einer Initiative einer lokalen Nichtregierungsorganisation für unterprivilegierte Kinder in einer Schule gaben. Zum Zeitpunkt der Inhaftierung hatten die Bahá’í-Jugendlichen in ihrem Besitz einen Zulassungsbrief vom Islamischen Rat von Schiras.

 

Unterdessen wurde ein Großteil der Inhaftierten freigelassen, wie am 26.Mai zu erfahren war. Die Art der Anklage gegen die Bahá'í ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar.

 

Die Festnahmen fallen zusammen mit jüngsten Razzien in Wohnungen von Bahá’í-Familien, wobei Notebooks, Computer, Bücher und Dokumente beschlagnahmt wurden. In den letzten 14 Monaten wurden 27 Bahá'í im ganzen Land inhaftiert und bis zu mehrere Wochen festgehalten.

 

„Echte Form religiöser Verfolgung“

 

"Diese neuen Verhaftungen in Schiras erhöhen die Zahl der Bahá'í, die ohne Grund inhaftiert wurden, auf mehr als 125 seit Anfang 2005," sagte Bani Dugal. "Dieses Muster der willkürlichen Inhaftierungen läuft auf eine echte Form religiöser Verfolgung hinaus und reflektiert nichts weniger als eine geplante Anstrengung der iranischen Regierung, die Bahá'í-Gemeinde völlig zu destabilisieren und sie in einem Zustand des Terrors zu halten," betonte Frau Dugal.

 

Internationale Menschrechtsbeobachter befürchten, dass die iranische Regierung ihre seit 25 Jahren andauernde Verfolgung gegen die über 300.000 Mitglieder zählende Bahá'í-Gemeinde verstärkt. Im März diesen Jahres wurde von der UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte und Religionsfreiheit ein Geheimplan vom 29. Oktober 2005 aufgedeckt, in welchem vom iranischen Militäroberbefehlshaber Polizei und Revolutionsgarden aufgefordert wurden, alle Bahá'í „zu identifizieren“ und „zu beobachten“. Die Existenz eines solchen Geheimplanes sei Anlass zur größten Besorgnis, so Dugal.

 

Medien-Hetzkampagne gegen Bahá’í

 

Seit Ende 2005 wurden mehr als 30 äußerst negative und verleumderische Artikel über die Bahá'í und deren Religion in "Kayhan", der offiziellen iranischen Tageszeitung, veröffentlicht. Radio- und Fernsehsendungen haben in ähnlicher Weise die Bahá'í und deren Glauben diffamiert.

 

Seit Jänner diesen Jahres wurden neben den 54 Personen, die in Schiras am 19.Mai inhaftiert wurden, sieben Bahá'í verhaftet und bis zu einem Monat in Kermanshah, Isfahan und Teheran inhaftiert. Darunter war Frau Roya Habibi aus Kermanshah, die berichtete, acht Stunden lang verhört worden zu sein. Sie wurde vor allem zu ihrer Funktion als Koordinatorin eines Programms befragt, wonach Lehren der Bahá'í-Religion unterrichtet werden. In dem Gerichtsdokument, in dem die Anklagepunke gegen Frau Habibi, die derzeit auf Kaution frei ist, erhoben werden, steht, sie sei angeklagt worden "aufgrund des Lehrens der Bahaismus-Sekte und ihres Handelns, welches alles im Islam beleidigt, das heilig ist".

 

"Obwohl es meist schwierig ist, die Einzelheiten der Anschuldigungen gegen die Bahá'í herauszufinden, gibt es keinen Zweifel darüber, dass diese - wie im Falle gegen Frau Habibi - aus rein religiöser Intoleranz und Vorurteilen motiviert sind," gab Frau Dugal zu bedenken.

 

DER NATIONALE GEISTIGE RAT

DER BAHÁ’Í IN ÖSTERREICH

Ottilie Käfer

Office for External Affairs

 

Weitere Informationen:

www.bahai.org/iranthreat

 

Dokumente:

 

Vereinte Nationen - Pressemitteilung - Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit

 

Statement der Internationalen Bahá’í-Gemeinde - Sonderberichterstatterin für religiöse Freiheit bei den Vereinten Nationen drückt Sorge um Bahá'í im Iran aus

 

Stellungnahme von Bani Dugal, Hauptrepräsentantin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen

 

Irans geheimer Unterdrückungsplan

 


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